Wiederentdeckte Freuden des Haushaltens

Unser Umzug in den Zigeunerwagen bringt einen schönen Komfortgewinn. Allerdings müssen wir erst lernen, damit umzugehen.

Waschbecken im Bad

Noch immer herrscht im Zigeunerwagen ein ziemliches Durcheinander. Die Lebensregel für kleine Räume "alles hat seinen Platz und wird auch dorthin wieder verstaut" müssen wir uns erst noch erarbeiten.

Dabei hält der Wohnwagen einige Überraschungen für uns bereit, denn im Vergleich zu unserem Haus, das vom Bagger schon angeknabbert wird, ist er brandneu.

Was wir wieder lernen mussten:

Zieht man in der Küche den Hebel des Wasserhahns ganz auf, steht man geduscht neben dem Waschbecken.

Wir wohnen in einer Gegend mit sehr hartem Wasser, so dass die immerhin 74 Jahre alten Leitungen im Haus wahrscheinlich schon völlig zu mit Kalk waren.

Das führte zu einem Wasserdruck, der diesen Namen nicht mehr verdiente. Das Befüllen der 20-Liter-Wasserkanister für den Umzugstag dauerte eine gefühlte Ewigkeit (pro Kanister etwa 15 Minuten).

Im Wohnwagen kam uns dann die Erkenntnis: Das geht ja auch anders!

Eine WC-Spülung kann mehr, als nur das Papier im Wasser umzudrehen.

Auch so eine fast vergessene Freude: Einmal den WC-Spülknopf pressen und alles ist weg. Dabei ist der Spülkasten unsers Klos gerade mal so gross wie ein Tagesrucksack und spült mit wirklich wenig Wasser.

Damit kann man schon fast angeben, denn das Problem ist weit verbreitet – vom Arbeitgeber bis zum Sportstudio.

Mir tut's immer vom Zuhören weh: Brandneue, aber schlecht geplante Sanitäranlagen werden für den Umweltschutz installiert und dann müssen die Leute drei- bis viermal spülen, um das Örtchen "wie man es sollte" zu hinterlassen.

Wasser aus dem Boiler kann heiss genug sein, um sich die Hände daran zu verbrennen.

Klingt selbstverständlich, waren wir aber nicht mehr gewöhnt. Als wir unseren Elektroboiler (diese Geräte sind aus Umweltschutzgründen inzwischen ja offenbar des Teufels) im Jahr 2013 auswechseln mussten, heizte der neue Boiler gerade mal noch auf 60 Grad.

Was das in Verbindung mit dem lausigen Wasserdruck bewirkte, kann sich jeder selbst vorstellen. Ich sandte jedenfalls stets, wenn ich die Temperaturanzeige des Boilers betrachtete, ein Stossgebet zum Himmel: "Bitte keine Legionellen!"

Offenbar hat dort oben jemand zugehört, denn wir kamen darum herum. Zudem arbeiten die Wasserwerke in der Schweiz top. Eine gute Trinkwasserqualität ist ein wunderbarer Luxus.

Es wohnt sich gut in unserem kleinen Refugium

Auch wenn wir noch über alle möglichen Kisten klettern, erkennen wir jetzt schon, dass wir uns im Zigeunerwagen wohlfühlen können.

Es zieht nicht und die Wärme haben wir langsam im Griff. Nur die Luftfeuchtigkeit scheint wie stets beim Campen ein Problem zu sein.

Nach dem Abwasch heute Abend waren alle Fenster beschlagen. Die Menge erscheint mir etwas viel, denn wir lüften regelmässig. Ich hoffe, das ist nur wegen der momentanen Kälte draussen so.

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