Wie das "Sizing Down"-Projekt entstand

Zwei Schlüsselerlebnisse bildeten die Grundlagen für unser "Sizing Down"-Projekt. Der eigentliche Verursacher sind die sich in der Schweiz häufenden Starkregenfälle.

Starkregen

Wenn man im ehemaligen Heizungskeller plötzlich einen Teich vorfindet, ohne je einen geplant zu haben, ist das meist kein gutes Zeichen. Öffnet man dann die Kellertür zur Aussentreppe und sieht sich kleinen Fröschen gegenüber, die glücklich in dem neuen Tümpel im Treppenschacht herumhüpfen, ist das zwar niedlich, trägt aber nicht gerade zum Seelenfrieden als Hausbesitzer bei.

So erging es uns am 14. Juni 2015.

Es schüttete stundenlang wie aus Kübeln. Die Dachrinnen überliefen immer wieder und das Wasser prasselte rund ums Haus auf den Boden wie ein Wasserfall.

Irgendwann sassen wir auf dem Sofa, schauten zum Fenster raus und schauten uns an. Lebt man schon länger in einem Haus, entwickelt man einen sechsten Sinn. Ich sagte so etwas wie: "Mir ist nicht mehr wohl!", und ging in den Keller.

Ein Teich, wo keiner sein sollte

Die altbekannte Überschwemmung im Vorratsraum hielt sich in Grenzen. Dann öffnete ich die Tür zum ehemaligen Heizungskeller – und unser bis anhing geruhsamer Sonntag wurde plötzlich sehr geschäftig.

Keller unter Wasser
Der Teich im ehemaligen Heizungskeller

Uns erwartete kein schöner Anblick. Das eindringende Wasser hatte den im Beton verbliebenen Rost der vor Jahren entfernten Heizungstanks herausgelöst und schwappte als unappetitliche Lülle in dem kleinen Raum herum. An der tiefsten Stelle war es knöcheltief.

Es hatte all unsere gelagerten Umzugskartons durchnässt, was etwa einen Kubikmeter stinkende Pampe zur Entsorgung ergab.

Die blauen Läden waren zum Glück nicht beschädigt, weil sie zur Sicherheit um mehrere Zentimeter erhöht auf Dachlatten standen. Irgendeine gute Fee hatte uns bei der Einlagerung ins Ohr geflüstert, dass dies eine sinnvolle Idee sein könnte.

Der Nachmittag und Abend gerieten zu einem Vorgeschmack der Apokalypse. Obwohl eigentlich Hochsommer, war es draussen schwarz-düster und fröstelig-kühl. Vor der offenen Tür zur Aussentreppe hämmerte der Regen auf das Kies. Alles war klamm. Oben im Erdgeschoss heulten die Katzen, die sich aufführten, als würden sie vor Neugier sterben, wenn wir ihnen nicht sofortestens zeigten, was vor sich ging. Und die rostrote Lülle war überall … Als wir das Schlimmste schliesslich beseitigt hatten, waren wir nicht gerade in bester Stimmung.

Und es war klar: Jetzt musste etwas gehen.

Pfützen im Vorratskeller

Unser ungeplanter Innenteich kam nicht als völlige Überraschung: Wir wussten schon lange, dass unser in die Jahre gekommenes Haus ein Feuchtigkeitsproblem hat. Im Keller musste entweder stets ein Fenster offen stehen (mit dem Resultat, dass wir oben jämmerlich froren) oder ein Entfeuchter laufen. Sonst begann alles aus Holz zu schimmeln.

Das wahre Ausmass der Probleme wurde zum ersten Mal ersichtlich, als ich ungefähr im Jahr 2008 in den Vorratskeller ging und mich wunderte, weshalb ich nasse Füsse bekam. Ich entdeckte mehrere Wasserlachen auf dem Boden. Dies wiederholte sich einige Male.

Nach starken Regenfällen dämmerte eine erste Ahnung. Im Zentrum des Kellerraumes befand sich ein Ablauf der alten Kanalisation, die auf keinem Katasterplan mehr verzeichnet ist. Bei starkem Regen kam diese Kanalisation wahrscheinlich nicht mehr nach und das Wasser drückte in den Raum zurück. Nicht schön, aber auch nicht das Ende aller Tage.

Dann wurde es mysteriös. Wir bemerkten, dass sich die Pfützen oft nicht rund um den Ablauf befanden, sondern bei der Wand.

Und dann schaute ich eines Tages während besonders starken Regenfällen per Zufall zur Kellerwand und entdeckte die Ursache für die Pfützen: Das Wasser drang auf einer auf Kniehöhe verlaufenden horizontalen Linie (im Bild unten mit einem Zeichenprogramm in Rot eingezeichnet) direkt durch den Putz, lief daran herunter und sammelte sich in den Unebenheiten des Bodens.

kellerwand
Entlang der roten Linie dringt das Wasser ein. Man beachte auch die Steckdose in der gleichen Wand.

Der Grund für unsere hausinternen Niagarafälle? Dieser Teil des Kellers wurde von unserem Vorgänger nach dem Bau des Hauses ausgegraben. Entlang der Linie trifft der Beton der Wand auf den Sandstein des Untergrunds, der der Einfachheit halber als Wand belassen und verputzt wurde. Und da Sandstein porös ist, ist das nicht unbedingt die beste aller Ideen.

Starkregenfälle statt Landregen

Die eher unorthodoxe Mauerlösung funktionierte im Zusammenspiel mit Sickerleitungen rund um das Haus trotzdem jahrzehntelang – bis in den vergangenen Jahren die Starkregenfälle zunahmen.

Ohne auf die Debatte rund um den Klimawandel (die den Umfang dieses Blogs sprengen würde) einzutreten, lässt sich beobachten, dass heute in der Schweiz viel grössere Regenmengen innerhalb kurzer Zeit fallen als früher, wie auch das Klimabulletin Jahr 2015 des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz auf Seite 2, unten, beschreibt.

Statt des traditionellen Landregens haben wir teilweise monsun-ähnliche Zustände. Und diesen ist die Sandstein-verputzt-als-Mauer-Lösung nicht mehr gewachsen.

So begannen wir 2013 mit dem Wälzen von Architekturbüchern und -zeitschriften und zeichneten unsere ersten Hausentwürfe in Sweet Home 3D.

Lösungsversuch mit Eiszeiten

Im Frühjahr 2014 nahmen wir schliesslich unseren ganzen Mut zusammen (wir sind eher widerwillige Bauherren), begannen mit der Evaluation von Fertighausanbietern und der konkreten Planung eines Neubaus.

Gegen Ende 2014 mussten wir das Projekt jedoch schon wieder auf Eis legen, nachdem sich abzeichnete, dass ich meine Stelle verlieren würde. Mein damaliger Arbeitgeber wurde übernommen und dann sind die Angestellten im Stab des unterlegenen CEO stets die ersten, die gehen "dürfen".

Im April 2015 wurde dann klar, dass meine Einschätzung richtig gewesen war. Bald würde es Bye-bye Job heissen. Unsere Reaktion fiel jedoch anders aus, als wir erwartet hatten. Sie lautete nämlich: "[*ç@#$] drauf!!! Wir können unser Leben lang auf den richtigen Moment warten und dabei in diesem Haus verschimmeln." Wir nahmen also die Planung wieder auf. Und der Teich im Heizungskeller nur zwei Monate später bestätigte uns in diesem Entschluss.

Seither ist mit dem Designen des Hauses und all den verschiedenen Schritten bis zur Baubewilligung viel passiert. Wenn alles klappt, beginnen Anfang 2017 die Bauarbeiten …

… und deshalb ziehen wir bald in den Zigeunerwagen. Denn schliesslich müssen wir während der Bauzeit unseres neuen Hauses irgendwo wohnen. 🙂

2 Gedanken zu „Wie das "Sizing Down"-Projekt entstand“

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